Dürfen wir vorstellen? Rosl, das Radl! Rosl ist die zweirädrige Protagonistin unserer Stadtgeschichte und hat eine ganz eigene Persönlichkeit, spricht waschechten steirischen Dialekt und hat zu allem und jedem ihre ganz eigene Meinung.
Für unser Projekt, „Stadtgeschichten aus Graz“, wollten wir keine trockene Abhandlung über den Radverkehr und den Ausbau der Radinfrastruktur schreiben – obwohl dies in Graz ein heiß diskutiertes Thema ist. Stattdessen haben wir uns gefragt: Wie würde die Stadt wohl aus der Perspektive eines Fahrrads aussehen?
Gemeinsam mit ihrem Fahrer rollt Rosl quer durch Graz: Sie meistert den gefürchteten „Todeskreisel“ am Sonnenfelsplatz, atmet im Stadtpark auf, lässt sich an der Radzählstelle zählen und bahnt sich ihren Weg durch die Annenstraße bis zur FH JOANNEUM.
Also: Aufsteigen, lostreten und mit Rosl Graz erleben.
“Der Todeskreisel”
Die Sicherheit der Radfahrer:innen sollte in jeder Stadtverkehrsplanung einen hohen Stellenwert einnehmen – vor allem, wenn man sich als Radstadt präsentieren möchte.
Die Grazer Stadtregierung beschäftigt sich in Zuge dessen auch immer wieder mit dem Versuch neuer Verkehrskonzepte.
Auch wenn man es kaum glauben mag, in den ersten 10 Jahren nach dem Umfunktionieren vom Sonnenfelsplatz zur Begegnungszone (Früher: “Shared Space”) gingen die Unfälle auf diesem um etwa 30 Prozent zurück. Der durchschnittliche Stresspegel der Verkehrsteilnehmer dürfte dennoch deutlich höher sein als anderswo.
“Die Zählstelle”
Graz bemüht sich inständig, eine Fahrradstadt zu sein. So verkaufen es die Politiker zumindest nach außen. Trotz nötiger Infrastruktur sind die Zahlen bestehender Fahrer:innen niedriger als man vielleicht vermuten würde. Mit der Freigabe von 100 Millionen Euro aus dem steirischen Landesbudget 2016 wollte die damalige Regierung die Bevölkerung durch erweiterte Infrastruktur zum Radeln begeistern. Weitere Unterstützer des Ausbaus finden sich im Grazer Gemeinderat und in der Radlobby ARGUS Steiermark. Um mehr Daten bezüglich der tatsächlichen Grazer auf dem Rad zu erhalten, stehen in der Innenstadt mehrere Radzählstellen an Hauptverkehrsknoten. Diese erfüllen durch ihre Anzeige der täglichen Fahrer aber definitiv auch einen Image-Zweck.
“Die Shops”
Graz radelt – und die Stadt entwickelt sich darum herum. Das Maßnahmenpaket der Landesregierung umfasst ein umfunktioniertes Radnetz, geteilt in A-, B- und C-Netz, sowie eine Vielzahl an Radgaragen, E-Bike-Lade-Infrastruktur und vieles mehr. Allzu viel spürt man davon bis lang in der Stadt nicht. Aktuell lassen noch die Einzelhändler, wie “RadAktiv” in der Annenstraße, “Rebikel” in der Keplerstraße oder “Banana Bikes” in der Neutorgasse, die Stadt zur Radstadt werden und nicht das angebliche Millionenbudget.
Impressum
Eine Geschichte entstanden im Rahmen des Projektes Graz Geschichten.
Text: Clemens Lesch, Markus Edlinger, Katharina Fromm
Design: Lena Lilek
Video: Leon Butkewitsch
Umsetzung: Clemens Lesch, Markus Edlinger, Katharina Fromm, Leon Butkewitsch
Quellen:
Stand: 2022; https://www.graz.at/cms/beitrag/10122448/12063979/Radfahren_in_Graz.html
https://rad.graz.at